Was bleibt?

Dr. Winfried Eubaals Erinnerung an das Leben eines Menschen, der über 30 Jahre als Lehrer an der Sankt-Ansgar-Schule und später auch bei der Schulbehörde gearbeitet hat?

Wenn ich hier der Bitte nachkomme, etwas über Winfried Eubas Leben zu schreiben, dann fällt es mir schwer auszuwählen. Als wir uns kennenlernten, waren wir Schüler der 5. Klasse der Sankt-Ansgar-Schule, er wurde dann aber auch mein Kollege und wir blieben freundschaftlich verbunden bis heute. Ich möchte deshalb das Bild eines Menschen lebendig halten, der vielseitig und großzügig, gelegentlich einseitig und streitbar, immer aber zuvorkommend – und man könnte fast sagen – formvollendet war.

Der Lehrer „Eubi“ wollte eigentlich kein Lehrer werden. Er studierte Mathematik und schloss das Studium mit einem Diplom ab. Danach blieb er in Hamburg und suchte eine Anstellung als Diplommathematiker bei einer Versicherung oder einem Konzern. Aber er fand sie nicht. So nahm er – eher als Notbehelf – einen Lehrauftrag an seiner alten Schule an. Die Skrupel, ob er das denn könne, waren groß. Auf den ersten Lehrauftrag folgten weitere. So kam es, dass der Beschluss reifte, das Berufsziel zu ändern. Er hatte herausgefunden, dass NRW Quer­einsteigern ein Referendariat mit abschließendem Staatsexamen anbot. Winfried Euba zog nach Bielefeld und kam danach als fertiger Lehrer an die Ansgar-Schule zurück. Er brachte sich ein und mischte sich ein: Koedukation, religiöse Erziehung, Musik als Ausdruck einer Lebensform und eines Lebensgefühls. Neben den “reinen” Mathematiker trat der Bandleader, heute würden wir sagen: der Begleiter und Coach, der nicht nur eine Band leitete, sondern auch noch den Musik-Cocktail erfand und in die Musikhalle brachte.

Er konnte sich, wie schon früher bei mir, über manche seiner Schüler die Haare raufen. „Blödmann“ – oder schlimmer noch “Knispel” entfuhr es ihm. „Das musst Du doch einsehen!”, waren seine schlimmsten Ausdrücke. Aber nicht jeder konnte einsehen. Also beschloss er, Teile seines Unterrichts (und besonders des benötigten Vorwissens) in immer dickeren Skripten wie in eigenen Lehrbüchern aufzuschreiben. Nebenher – auch hier – wurde Winfried Euba zu einem der Mitbegründer des Schulfachs Informatik an der Sankt-Ansgar-Schule.

Aus dem reinen Mathematiker wurde in „reifem Alter“ ein angewandter; der Lehrer wurde wieder zum Studenten und begann eine Doktorarbeit über Didaktik der Mathematik. Praxisbezug, Entwicklung von Lösungswegen und Modellen statt abgeleiteter oder gar auswendig gelernter Beweise. Statt Fehler anzukreiden, sollten Fehler als notwendige Lernschritte anerkannt werden. Seine Promotion konnte er erfolgreich abschließen. Auch hier war er ein Spätberufener.

Wer ihn nicht in „Mathe“ hatte, war vielleicht mit ihm in Rom. Zusammen mit zwei anderen Kollegen, war er oft als Reiseleiter der „Geeeelati-Mann“. Sein Wissen über römische Eisdielen reichte sicher für den Guinness-Rekord. Und natürlich interessierten ihn auch Kunst- sowie Kirchengeschichte. Den Abendblatt-Redakteur und Autor Andreas Englisch schätzte und besuchte er. Weiterhin und als folgerichtige „Nebenwirkung“ der Italienreisen erhielt Dr. Euba oftmalig den inoffiziellen Schülerpreis als bestgekleideter Kollege in immer schicken Pullovern und Sakkos – gern mit farbenfroher Krawatte. Er liebte die bunte Vielfalt, aber in vollendeter Form. Und in alltäglicher Umsetzung konnte man das an den ersten Ausgaben des SAS-Journals und des Altschülerbriefs ablesen. Hier führte er eine Datenbank mit jeweils aktuellen An­schrif­ten und Telefonnummern.

Was bleibt mir am Ende dieses Versuchs, das Leben eines Freundes und Kollegen zu beschreiben? Fast 55 Jahre haben wir uns gekannt. Es geht nur in Stichworten und unvollkommen. Und deshalb sollen am Schluss nur drei Worte stehen: Danke (und) zu früh!

Am 13.07.2014 verstarb Dr. Winfried Euba nach langem Kampf gegen seine Parkinson-Krankheit. Auch wenn er schon zwei Jahre in Pension war, verliert die Schule einen engagierten Lehrer, einfühlsamen Motivator und werbenden Vertreter der Ignatianischen Erziehung.

Andreas Oettel

 




m.tymister@gmx.net
am 22. August 2014 um 16:45 Uhr

Danke für diesen treffenden Nachruf!

jph
am 23. August 2014 um 19:33 Uhr

Als Mitglied seines ersten Leistungskurses Mathe ( Abi 1978 ) danke ich Andreas Oettel auch für diese treffende Darstellung.
Wir haben auch später noch ab und an Kontakt gehabt, daher trauere ich auch um einen Freund.

Rafael Moral Santiago
am 30. August 2014 um 21:29 Uhr

Danke für diesen Nachruf. Ich erinnere mich noch gut an Winfried Euba, vermutlich der beste Mathematiklehrer, den ich in meiner Schulzeit (Abi 1992) hatte. Stets engagiert und an hohen Standards orientiert. Leider ist er sehr früh von uns gegangen.

Kirsten Rottmann
am 1. Oktober 2014 um 18:46 Uhr

Ich bin erschrocken und traurig zugleich über die Nachricht vom Tod von Herrn Euba.
Über viele Jahre habe ich ihn so geschätzt als Mensch und als Lehrer – als “weltbesten Mathelehrer”! Seit einigen Jahren habe ich den gleichen Beruf wie er ergriffen und bin auch Mathelehrerin und noch heute ist er ein großes Vorbild für mich. Wie oft denke ich voller Bewunderung an seine kreativen mathematischen Ideen, seine humorvolle Art und seine Herzlichkeit zurück…
Eigentlich hätte ich ihm dies gerne noch einmal persönlich gesagt.

Thomas Fritsche
am 7. November 2014 um 09:19 Uhr

Danke für den einfühlsamen Nachruf. Herr Euba war für mich, damals Anfänger im Lehrerberuf, immer ein Vorbild. Thomas Fritsche (Feb 1983 bis Juli 1992 Lehrer für Mathe und Physik an der SAS und in dieser Zeit Kollege von Winfried Euba)

fwestendorf
am 7. Januar 2015 um 13:24 Uhr

Vielen Dank für die treffenden Worte.

Ich hatte Eubi in seiner Zeit als Lehrbeauftragter, nach seiner Rückkehr als Klassenlehrer, meist in Mathe und gehörte quasi zu den Informatik-Primaten. Zudem war ich Mitglied der SAS-Band.
Es war eine tolle Zeit, die er maßgeblich geprägt hat. Zumal ich hinterher Mathematik studiert habe und dann in einen IT-Beruf gegangen bin.

Ich bin stolz, ihn gekannt zu haben.

t.stegmann
am 16. April 2015 um 00:20 Uhr

Danke für die Worte.
Und “Hut ab” vor Eubi, er war einer der Besten!

Thong
am 7. November 2015 um 07:22 Uhr

Herr Euba war einer der wenigsten Lehrer, die mich geprägt hatten. Mehr möchte ich nicht dazu sagen, nur eines jedoch: ich werde in der nächsten Zeit mir Zeit nehmen, um Ihm im Stillen zu gedenken. Danke, Herr (Dr.) Euba. Herzlichst,
Ihr Thong (Tran).

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